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SINN-VOLLES FÜR UNS ALLTAGSPHILOSOPHEN

 

Michael Bauer war Mönch im Benediktinerkloster St. Paul, Kärnten. Seit vielen Jahren praktiziert er traditionelle christliche und asiatische Meditationsformen. Als begeisterter Läufer entwickelte er zudem eine einzigartige Verbindung zwischen Ausdauertraining und spiritueller Praxis, die er in seinem Buch "Die Seele läuft mit" (Integralverlag) und "Power für die Seele" (Südwest) veröffentlichte.
Er schreibt exklusiv für den Glyx-Letter.

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Bilder malen

Letzten Donnerstag hatte ich einen Traum. In diesem hatte ich eine heftige Diskussion mit einem Unbekannten. Oder war es nur mein Spiegelbild? Ein Fremder war es halt. Scheinbar bin ich mir selber schon fremd geworden. Kein Wunder. Es ging um Bilder. "Mach dir kein Bild von nix!", hat mir dieser Fremdling ins Gesicht geschleudert. Als spirituell Marinierter fiel mir sogleich das mit dem keine Bilder machen von "Gott" in der Bibel ein. Götzenbilder, die ich anhimmle. Und davon habe ich mehr als genug. Du wahrscheinlich auch. Meistens himmelt man seine eigenen Bilder an. Kriegt nicht genug davon. Ego-Shooting. Selfie-Manie. Ich - meiner- mir- mich. Der gute alte Narziss – ein Altruist dagegen.

 

Bilder machen wir den ganzen Tag. Das Bild vom super Leben. Vom idealen Partner mit dem man dann ideal parnterschuftet. Viele halten sich für Vor-Bilder, sind in Wirklichkeit aber nur überhebliche Einbilder. Verliebte verlieben sich oft nur in das Bild, das man sich vom anderen selber ausmalt und nicht in den wirklichen Menschen dahinter. Tief enttäuscht verduftet man, wenn dieser unserer Phantasiekleckerei nicht entspricht. Wir haben verzerrte Bilder von uns selbst. Sehr oft kein gutes. Reden uns herunter. Machen uns schlecht. Spotten uns aus. Trauen uns nix zu. Deshalb ist es von Vorteil, sich keine Bilder zu machen. Die verstellen oft den Weg. Öfter mal die Vorurteile einfach pixeln. Oder gleich löschen.

 

Es zahlt sich aber auch aus, Bilder zu malen: Das Bild von einer besseren Welt, wo endlich die Guten das Ruder übernehmen. Das Bild von deinem liebevolleren Mensch-Sein. Das Bild von einem erfüllterem Auf-der-Welt-Sein.

 

Angesichts des Todes ist alles lächerlich – mein Lieblingsbild.

 
 

Änderungsschneiderei

"2018. Was sich alles ändert: ...." Die Schlagzeile des neuen Jahres. "Du änderst dich wohl nie!" Ein Schlag in deine Weichteile. Veränderung muss sein. Wer sich nicht verändert, der geht unter. Ist quasi schon erledigt. Finito. Wie kannst du ohne Veränderung happy sein? Loser! Leben muss ab in die Änderungsschneiderei. Schnippschnapp. Da was weg, dort mehr dazu. Weniger dings, mehr bums halt. Egal was und wie, Hauptsache es tut sich was. Immer. Und wenn man gerade an sich nichts ändert, dann versucht man es eben am anderen. Das geht sogar leichter von der Hand. Da wächst der Ehrgeiz in das Unermessliche. Nie ist man zufrieden mit dem Status so und so. Warum nicht mal eine kleine Veränderungskarenz? Stillstehen. Innehalten. Durchatmen und nachdenken. Veränderung passiert. Veränderung. Mein Krampf. Leben ändert sich von der Geburt hin zum Löffel-Abgeben. Bist kurz mal da und dann schon wieder weg. Da kannst du machen, was du willst. Das passiert einfach. Da fragt dich kein Schwanz ob es dir taugt oder nicht. Egal, wer du bist oder zu sein glaubst. Veränderung ist per se was Gutes! Oder doch lieber mit ??? Du kannst dich auch zum Nachteil für dich und andere verändern. Vom phantasievollen Kind hin zum Arschloch-Erwachsenen... Meistens verändert man sich nicht in sein Original. Man vergleicht sich mit anderen und will so sein wie die. Das nenne ich: Ver-Anderung. Eine beschissene Form der Veränderung. Weil du da nie du bist. Ich wünsche dir eine schönes 2018! Mit smarten Veränderungen!

 
 

Weihnachtskekse in Trance

Legalisierung!! Von Haschisch, bitte!! Heute noch! Damit preiswerter und dings. Für medizinische Zwecke unbedingt! Hanf einer der ältesten Heilpflanzen unter der Sonne. Heilt turbomäßig. Sonst bin ich gegen eine Legalisierung! Alter konservativer Volltrottel hör ich dich sagen. Alle schreien nach Haschisch, dem frischen Grün der goldenen Trance. Trance ist super. Heilsam. Denk an die Trance der Schamanen & Co. Aber um diese Trance geht es nicht beim Ruf nach Discounter-Haschisch. Sondern um eine andere.

Eine Trance mittels der du aus dieser fucking Realität verduften kannst. Sie betäuben und ihr in ihren breiten Arsch treten. Wow! Spricht nicht gerade für unser Konstrukt des menschlichen und gesellschaftlichen Miteinanders. Das Leben ist unerträglich. Etwas, das man irgendwie hinter sich bringen muss. Und das so oft als möglich im vernebelten Zustand. Damit es einem nicht so verdammt lange vorkommt. Kann ich durchaus gut verstehen. Aber wozu brauchst du Haschisch, um in eine Trance zu rutschen? Wir alle sind in einer Dauertrance: Trance des allmächtigen Egos mit permanenter Selfie-Nabelschau. Trance des unstillbaren Shoppings. Trance der Eitelkeiten. Trance der Gewalt. Trance des Arschlochismus. Trance der Arroganz. Trance der seelischen Taubheiten....Trance-Zombies. Innerlich tot aber körperlich halt noch irgendwie am Leben oder so.

Schön wäre eine Weihnachts-Trance. Weihnachts-Hasch-Kekse. Gebacken mit dem Haschisch deiner Menschlichkeit. Für eine Trance der Mit-Menschlichkeit und nicht Gegen-Menschlichkeit. Weihnachtstrance der Stille und des inneren Ruhigwerdens. Etwas schmalzig gesagt: Trance der Liebe. Obgleich ich bei solchen Worten in eine Frustrations-Trance gleite. Weil jede Weihnacht sagt frau/mann sich immer das Gleiche: Weniger Konsum, mehr Schmusen. Dieses Jahr mach es wahr! Ich wünsche dir die schönste verschmuste Weihnachtstrance seit du selber aufs Töpfchen gehen kannst! Vielleicht liest man sich nächstes Jahr irgendwie wieder! Alles Liebe! Michael

 
 

# me too (strange)!

Mee too –  ein neues Reizwort macht die Runde. Und alle sind aus dem Häuschen. Finde ich generell auch gut, dass man(n) das nicht so mir nix dir nix als Kavaliersdings unter den Teppich kehrt. Frau ebenso nicht. Logo. Das Ganze wird derzeit auf die Spitze getrieben. Kevin darf nicht mehr schauspielern, die Besetzungscouch wird auf den Sperrmüll geworfen und alle scheinen zufrieden zu sein. Man meidet vier Augen-Gespräche, Lift fahren zu zweit, flirten, Frauen ein nettes Kompliment machen ... Übertrieben. Finde ich. Dieses #me, he, she too... Weil wenn du etwas übertreibst, dann verkehrst du manches in sein Gegenteil. Vor lauter Viel kann man es nicht mehr hören. Überhört es. Echte Opfer von sexueller Gewalt werden möglicherweise übersehen. Weil viele echte Opfer leise leiden und schweigsam. Für Straftaten braucht es keinen Hashtag, dafür gibt es die Justiz. Hashtagmissbrauch. Kann zu einer Profilierungsplattform werden, zu einem Rachevehikel oder weiß der Kuckuck was noch.

Ich plädiere für # mehr Berührungen im Alltag! Nicht zwischen die Beine oder auf den Arsch oder den Busen deiner Nächstin. Grapscher katapultieren sich  selbst ins Abseits. Die werden niemals liebevolle Berührungen ernten, höchstens eine auf die Fresse! Kultivierung der Berührung. Wir leben in einer so fucking-kalten und egozentrischen Gesellschaft, dass es der Sau graut. Jeder sehnt sich nach Berühung, doch es gibt zuwenig davon. Weil alles sofort = Sexualität. 

Lobendes Schulterklopfen oder Streicheln über den Kopf. In den Arm nehmen und in den Arm genommen werden. Berührt werden und sich berühren lassen. Bevor man in einer Welt voll von Gefühlskrüppeln aufwacht. Die Adventzeit könntest du zu deiner Zeit der Berührungen machen. Lass dich berühren von der Not, den Ängsten, den Sorgen, den Zweifeln anderer. Lass dich berühren von der Freude und dem Glück und dem Lachen anderer! Werde ein wenig ein Anderer! Ein Besserer! Einer der auszog, um zu berühren.

 
 
 

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