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SINN-VOLLES FÜR UNS ALLTAGSPHILOSOPHEN

 

Michael Bauer war Mönch im Benediktinerkloster St. Paul, Kärnten. Seit vielen Jahren praktiziert er traditionelle christliche und asiatische Meditationsformen. Als begeisterter Läufer entwickelte er zudem eine einzigartige Verbindung zwischen Ausdauertraining und spiritueller Praxis, die er in seinem Buch "Die Seele läuft mit" (Integralverlag) und "Power für die Seele" (Südwest) veröffentlichte.
Er schreibt exklusiv für den Glyx-Letter.

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Internet(t)en

Frau oh Frau, Mann oh Mann! Was da alles getwittert, gepostet und kommentiert wird! Im Netz. Mein lieber Schwan. Alles muss rausgemausklickt sein. Sofort. Meist wird Angst gemacht. Geschimpft bis zum Jüngsten Tag. Wutbürger sein ist tugendhaft. Dabei wären mir Mutmachbürger, Liebseinbürger, Mitgefühlbürger, Trostbürger und dings ja viel sympathischer. "Netten"! Was ist das? So nenne ich meine persönliche winzigkleine Gegenströmung zu den Shit-Tsunamis im Netz. Suche dir etwas Positives heraus, das dir im Laufe eines Tage über deinen Weg läuft. Schau genau hin, denn meist übersiehst du das Positive und Schöne, weil – weiss der Kuckuck wieso – wir meist auf das Negative und Grausliche schauen. Geil auf Sensationen sind.

Also halte Ausschau nach dem Positivem. Nach positiven Menschen zum Beispiel. Nach guten Menschen. Die Gutes tun. Von denen du Gutes und Gutsein lernen kannst. Die dein Leben und das anderer bereichern. Sag ihnen danke dafür. Dabei musst du sie nicht persönlich kennen.

Bedanke dich bei der politischen Kommentatorin im TV, weil sie nicht so reißerisch berichtet wie viele anderen, sondern um Objektivität bemüht ist. Für den Artikel der Yoga-Lehrerin, die dich motiviert, etwas für deine Gesundheit zu tun. Schreib ihnen eine Mail. Das ist InterNetten. Eine Gegenrede zum Negativen. Kommt aus dem Mönchtum, das "Gegenreden". Die "AntiRhetische"-Methode. Sobald ein Mönch negative Gedanken oder Gefühle hatte, hat er als Gegenmittel, als heilsame Medizin, einen positiven Anreiz dagegen gesetzt: Einen aufbauenden Bibelvers. Ein Mantra. Ein Gebet. Eine gute Tat, in dem er einem Menschen was Gutes gesagt oder ihm geholfen hat. GedankenAikido. Das negative umleiten, dessen Energie umlenken und umwandeln und ins Leere laufen lassen. Neutralisieren. Nette! So oft und so viel du nur kannst!

 
 

Wahres ist Rares

Wir alle suchen irgendwie mehr oder weniger nach dem "Wahren." Nach der wahren Liebe. Dem wahrhaftigen Leben. Nach wahrhaftigen Menschen, die dir nix vorgaukeln und dir ein U für ein X andrehen und dings. Das Wahre. Was ist das? Hmmhh? Das Echtsein. Das Unverstellte...Was meinst du? So viele meinen das Wahre gefunden zu haben, ja im Besitz des Wahren, der Wahrheit, zu sein: Woran wir glauben, das ist die einzige Wahrheit – Religionen und so. Politische Wahrheiten. Wissenschaftliche Wahrheiten. LebensWahrheiten. LiebesWahrheiten. SexWahrheiten. GesundheitsWahrheiten....So viele Wahrheiten und ich nur ein Hirn zum Entscheiden. Kruzifix! Das Wahre wird zur Ware, zur War(en)heit. Weil jeder will dir seine Wahrheit verscherbeln. Um dich entscheiden zu können, da musst du reich sein. Quasi Willen-Besitzer. Was will ich wirklich!? Reich an Intuition musst du da sein. Was ist das Wahre für mich? Wie finde ich das Wahre für mich heraus, das Guttuende für mich? Augen schließen, tief durchatmen und bei den alten Mönchen nachmeditieren.

 

Als Benediktinermönch habe ich mit der "Discretio" Bekanntschaft gemacht. Die Unterscheidung der Geister. Alles durch sieben Siebe rieseln lassen und dann erst entscheiden. Quasi nicht eine Nacht darüber schlafen, sondern sieben Nächte. Sich Zeit nehmen. Abwägen, riechen, daran lutschen, gut durchkauen und dann erst schlucken. Das Gute für dich und nicht die Kröte. Obwohl ein paar ewige Wahrheiten gibt es doch: Bedingungslose Liebe, menschliches Mitgefühl... Lebe wahr und mach dich nicht rar. Beim Tun von Gutem! Merci! 

 
 

Phosphorman und Phosphorwoman

Ich stieg in eine alte Höhle. Auf einem heiligen Berg bei mir daheim. Habe mich vorsichtig hinein getastet. Bis ganz nach hinten. Wo sein Lebtag lang noch nie ein Sonnenstrahl gewesen ist. Dunkelschwarzheit. Und ich. Und meine Taschenlampe. "Lichtträger" schießt es mir durch meinen Kopf. Gerade wurde ich zu einem Lichtträger. Na so was! Und das auch ohne meine Taschenlampe. Weil ich trage Licht in mir. Du auch. Logo. Seit dem Augenblick, wo deine Mama und dein Papa Matratzensport und dings und du so den nötigen Schubser für dein Dasein bekommen hast. Das Licht des Lebens. Von Haus aus sind wird Lichtträger. Ein Phosphor. Phos, das Licht. Phor – tragen. Und rein organisch sind wir es ja auch. Phosphor ein wichtiger Stoff unseres Körpers. Für starke Knochen und gutes Blut und lebendige Zellen. Für gesunde Beißerchen.

 

Zeig sie deshalb öfters her. Beim Lächeln. So trägst du Licht in deine Umgebung. In die finsteren Höhlen und Ecken unserer Gesellschaft. Wo keiner hinkommt. Wo niemand gerne hinschauen mag. Dort kannst du ein Lichtträger sein. Täglich. In den dunklen Gassen der Armut und Einsamkeit. Bei Kranken und Alten, die uns an das Vergehen und Sterben erinnern und deshalb gerne gemieden und übersehen werden. Du kannst Lichtträger sein beim großzügigen Verschwenden von freundlichen Worten, aufbauenden Gesten und liebevollen Gedanken. Lichte Augenblicke für andere sein. LED-Lampen für die Welt. L(iebe) E(mpathie) D(ankbarkeit).

 

Licht tanken wie ein Krokodil: Diese Übung mache ich regelmäßig. Öffne den Mund und halte deine Zähne in die Sonne. Ein paar Minuten. Krokdodile machen das auch so. Angeblich, um Licht und Wärme zu Tanken. So kommt auch Licht in deinen Mund. Für sonnige Worte und ein sonniges Gemüt.

 
 

Atem geht spazieren

Atem stand täglich um fünf Uhr morgens auf, verließ um sieben seine Wohnung und fuhr in seinem alpinweißen VW T-Roc zur Arbeit. Atem arbeitete als IT-Experte in einem erfolgreichen Import-Export-Unternehmen. Zwölf-Stunden-Tage keine Seltenheit. In seiner Freizeit ging Atem Laufen, Mountain-Biken oder mit Freunden auf einen Absacker. Die meiste Zeit verbrachte Atem aber daheim. Alleine. In der virtuellen Welt von atembook und Co. Auf der Suche nach Atem-Freunden. In letzter Zeit überkam ihm dabei ein seltsames Gefühl. Das Gefühl war jenes, dass er eben keine Gefühle hatte. Das war auch am Morgen beim Aufstehen so und beim Schlafen und bei der Arbeit. Komisch. Und eigenartige Gedanken hatte Atem auch. Die stellten blöde und in seinen Augen unnütze Fragen. Ob er glücklich sei. Ob er andere glücklich mache.

Wie aus heiterem Himmel sah Atem ganz anders in die Welt. Er sah die vielen anderen Atem um sich. Die meisten waren wie er. Gestresst, kurz angebunden und oberflächlich, außer sich... Zornige, frustrierte, erschöpfte, traurige Atem und AtemInnen. Atemlose Welt. Selten aber doch auch: Mitfühlende Atem. Vertrauenswürdige Atem. Liebevolle Atem.

 

Atem hatte Sehnsucht nach dem, wonach sich alle Atem sehnen: Nach Länge und Tiefe. Ein Leben in Fülle. Atem ließ sein Auto stehen, ging in den Wald und machte einen Spaziergang. Endlich. Die klare und saubere Luft ordnete seine Gedanken und führte ihn zu seinem ureigensten Wesen zurück. Zu dem, was Leben ist: Ein und Aus. Kommen und Gehen. Nehmen und Geben. Lieben und sich Lieben lassen...  

 
 
 

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