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SINN-VOLLES FÜR UNS ALLTAGSPHILOSOPHEN

 

Michael Bauer war Mönch im Benediktinerkloster St. Paul, Kärnten. Seit vielen Jahren praktiziert er traditionelle christliche und asiatische Meditationsformen. Als begeisterter Läufer entwickelte er zudem eine einzigartige Verbindung zwischen Ausdauertraining und spiritueller Praxis, die er in seinem Buch "Die Seele läuft mit" (Integralverlag) und "Power für die Seele" (Südwest) veröffentlichte.
Er schreibt exklusiv für den Glyx-Letter.

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Tausendundeine Frisur

Sein ganzes Leben auf Sinn-Suche lebte Michael Bauer als Benediktiner-Mönch und mit Zen-Buddhisten. Er beschenkt uns aus stilvoller Feder mit “Sinn-vollem”.

 

Heute Morgen war ich wieder voll auf Smoothie. So einen mit guten mit leckerschmecker Früchten. Banane, Ananas, Mango und dings. Sechs Früchtchen. Quasi VitaminMorgenSechs. Orgasmus für die Geschmacksknospen. Tippitoppi für deinen Body. Aber ist das genug für einen gelungenen Start in den Tag? Nööö! Seele braucht auch Futter! Smoothie für die Seele. Einen Schmusi. Ein Schmusi am Morgen vertreibt Kummer und macht geborgen. Vor allem in Tagen wie diesen, wo man sich so wenig berührt wie nie zuvor. Berührungsmangelzustände wohin du schaust.  Akute BerührungsAnämie. Schmusis intravenös! Sofort! Schmusis die unter die Haut gehen. #Touch me too. #We too zweit. TouchSkin statt immer nur TouchScreen. Aber was ist - so wie bei mir, dem aaarmen Single Michi - wenn man niemanden zum Schmusi hat? Schmusi ist ja weit mehr als nur feuchter Schmatzer auf feuchten Schmatzer. Meine vorläufigen schmusologischen Untersuchungen haben ergeben, dass es verschiedene Arten von Schmusis gibt:

 

Physische Schmusis: Küsse. Also Schmusen in Reinform. Aber auch Schulterklopfen, in den Arm nehmen, Hand halten, Steicheln...

Verbale Schmusis: Nette, motovierende, aufbauende Worte. Unerwartete Komplimente. Alles, was anderen Freude und Mut macht. Jemanden aus Trauer und Einsamsein holt.

Mentale Schmusis: schöne Gedanken. Sich nicht von negativen Gedanken hinunterziehen lassen. Oder sich von einem Miesmacher anstecken lassen

AchtsamkeitsSchmusi: Präsenz zeigen. Ich bin nicht nur mit und neben dir. Sondern  b e i  dir. Mit Seele und Herz.

 

Schmusis sind niemals Einbahnstraßen. Gib und Nimm. Halte Ausschau, weil ein SchmusiYang immer auf der Suche nach einem SchmusiYin.

Gestern hatte ich ein sehr schönes Schmusi. Ging zum Friseur. Eine junge und sehr liebenswerte Friseurin mit orientalischen Wurzeln hat während des Schneidens immer wieder mein Gesicht in ihre Hände genommen und meinen Kopf leicht nach links und rechts geneigt. Kontrolle wegen Parallelität und dings. Auch meinen Hinterkopf. Ein orientalsicher Kopftanz mit heilsamen Tendenzen. In fünfzehn Minuten mehr Berührung als in fünfzehn Jahren von meiner Hausärztin. Wobei ja Berühung und Heilung ja sehr eng miteinander... Aber das ist eine andere Geschichte. Wenn ich das nächste Mal krank bin, dann gehe ich zu meiner Friseurin! Echt jetzt.

 
 

WeihnachtsNetze

Die Adventzeit lädt zum Lesen ein. Bücher. Eh wissen. Diese komischen Dinger zum angreifen und aufklappen und umblättern -  nix wischen -  und riechen und mit Buchstaben drinnen. Weisheitsbücher liegen mir am Herzen. Alte Weisheiten für das Leben von heute. Quasi WeisHeuten. Die Bibel passt ja picobello in die Adventzeit. Habe da kürzlich was von "Netzen" gelesen. Fischernetzen. Apostel schmeißen die weg und nehmen neuen Posten bei Jesus an. Apostelposten. Freiberufler ohne Pragmatisierung. Ohne Rentenanspruch aber mit hohem Sinnfaktor.

 

Netze abstreifen! Wie mutig. In wie viele Netze haben wir uns verstrickt? Haben sich deine Füße verfangen? Stolpernetze. AufdieFresseFallenNetze. Netze von Lügen. Netze von Vorurteilen. Internetze ohne Ende und bis spät in die Nacht hinein. Netze von Neid, Hass, Eifersucht, Gewalt....Natürlich gibt es auch gute Netze. Das soziale Netz, das Arme auffängt. Wohlfühlnetze knüpfen. Das wäre eine schöne Lebensaufgabe. Netze der Liebe und des Mitgefühls. Netze der Zuversicht und Hoffnung für Hoffnungslose. Netze des Miteinanders für Einsame und Kranke und Alte und für all jene, die sonst noch am Rande stehen und nicht mit können mit dem irrsinnigen Lebenstempo der "Normalen". Netze die tragen. Netze der Geborgenheit. Gefühle zeigen dürfen. Bauchgefühle salonfähig machen. Quasi seelisches "Harakiri". Deinen"Bauch öffnen und zeigen: "Da bin ich. So bin ich! Und wie ich bin, so ist es gut." Besser geht natürlich immer. Ein besserer Mensch sein. Aber einen Schritt nach dem anderen. Sinnvolle Netze knüpfen als neuer Weihnachtsbrauch!? Schöne Weinachtsbräuche statt zwickende zwackende Weihnachtsb(r)äuche! Das wünsche ich Euch.

 
 

Adventkalender süß ohne sauer

Es geht schon wieder auf die Plätze, fertig, los! Adventkranzaugenblicke. Die stillste Zeit im Jahr. Zur schrillsten bist du geworden. Du Arme. Lass dich knuddeln! Laut. Hektisch. Mit den neuen Mega-Adventkalendern mit ganz viel drinnen und wenig dahinter.Tanz um das Goldene Kalb. Wobei Gold ist vorbei. Black is the new Gold. Advent wird eingeläutet mit dem Black-Womit-könnte-ich-meine-innere-Leere-noch-vollstopfen-leck-mich-Friday. "Irr Kindelein komme, oh komme und zahl..." Und alle Jahre wieder der fromme Vor(bei)satz: Heuer mach ich alles gaaaanz anders! Bei dem Wahnsinn mach ich nicht mehr mit....

 

Dabei könnte Advent so fein sein. Im Feenreich der Konjunktive ist das allermeiste viel schöner. Magisch. Advent. Herumlungern im Sein. Einfach so. Ohne schlechtes Gewissen. Das mache ich dieses Jahr. Habe schon damit angefangen. Hatte diese Tage Seensucht. Besuchte meinen Lieblingssee. Ich liebe Seen in dieser Jahreszeit. Ruhig ist er. Erholt sieht er aus. Nach dem langen Sommer. Die letzten Sonnenölteppiche sind verschwunden. Der Arschbombenhagel bespassungssüchtiger Unruhegeister verhallt. Genieß deine Ruhe, lieber Freund! Auf dem Weg dorthin streifte ich die Vergänglichkeit. Kam an einen alten Autofriedhof vorbei. Natur hat sich das meiste zurückerobert. So schnell bist du beim alten Eisen. Maria und Josef!! Einst geliebt, poliert, begehrt, gehegt, angebetet...Noch ein Grund mehr, der Schöpfer schöner Advente zu sein. Jetzt. Advent. Ankunft der Menschlichkeit. Bastle mir einen Adventkalender. Gefüllt mit Mitgefühl für die Armen und Einsamen. Weil Einsamkeit ist die neue Volkskrankheit Nummero Uno. Hinein auch Zeit mit lieben Menschen. Gute Gespräche. Schöne Gedanken. Aufbauende Worte und Taten. Danke sagen fürs Leben. Für ein geschenktes Lächeln. Suche alle Tage eine schöne Seele in meinem Umfeld. Um zu lernen. Was tust du in deinen Kalender? Werde zum Advent für andere! Bring Hoffnung! Bring Liebe! Verschenke dich!

 
 

Die Namenlosen 

In Österreich treibt der Baum des Datenschutzes gar sonderbare Blüten: Kein Namensschild mehr, das deinen Augen flüstert: Da ist ein Mensch daheim. Ein Unikat. Ein Du. Ein Atmender. Tritt ein! Statt dessen gibt es kühle und sterile Zahlen. Da tanzt mir doch ohne Umschweife der quasi-apokalyptische Ohrwurm vom Ambros Wolfgang in meinem nummernverwirrten Sinn herum: "A Mensch möcht i bleibn, nicht zu Nummer möcht i werdn..."  Oh du närrische Welt! Weil in den virtuellen Welten von fratzenbook, twitter shitter und so lassen alle vor der halben Menschheit ihre Datenschutz-Hosen herunter. Intimste Ein- und Ausblicke bekommst du da ungefragt serviert. Mein lieber Schwan. Das gesamte Leben wird zu Markte getragen. Apropos Markt: Zudem werden deine Daten schamlos verhökert. So eine VerPOPOung! Wäre ich nicht ein Anti, spätestens jetzt müsste ich zum Saufen anfangen!

 

Und plötzlich stören Namensschilder!? Namenlose Wohnungsschilder als Symbol unseres Miteinanders?! Gegeneinanders? Aber so was von logo! Weil alles immer kälter und seelenloser und ego und dings. Was kommt als nächstes? Nummernvergabe statt einer Taufe? Strichcode hinter deine Lauscher? Sagt künftig ein namhafter Babynahrungshersteller: "Dafür bürge ich mit meiner Nummer!"? Lasst uns doch namhafte Menschen bleiben! Werden wir endlich menschlicher! Am besten heute noch! Ich bleibe ich!  (N)AMEN! 

 
 
 

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