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SINN-VOLLES FÜR UNS ALLTAGSPHILOSOPHEN

 

Michael Bauer war Mönch im Benediktinerkloster St. Paul, Kärnten. Seit vielen Jahren praktiziert er traditionelle christliche und asiatische Meditationsformen. Als begeisterter Läufer entwickelte er zudem eine einzigartige Verbindung zwischen Ausdauertraining und spiritueller Praxis, die er in seinem Buch "Die Seele läuft mit" (Integralverlag) und "Power für die Seele" (Südwest) veröffentlichte.
Er schreibt exklusiv für den Glyx-Letter.

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Weniger ist mehr

Mein Leben passt in drei Koffer und vier Bananenkartons. Und ich in eine kleine Urne. Irgendwann mal. So viel bleibt von einem ganzen Leben!? Na servus! Reduktion auf das Wesentliche halt. Beim älter und – hoffentlich -  reifer werden reduziert sich ja so allerhand. Von Haus aus. Das Viel wird zum Weniger. Dein Jung wird zum Faltig. DryFaltigKeit und so. Das Weniger: Horror pur. Wo doch das Mehr allen so sehr ans Herz gewachsen. In dem Meer von Mehr strampelst du deine Lebtage lang herum. Wie der größte Vollkoffer. Letztendlich säufst du ab als wie nur was. In diesem Mehr. Oder du fängst zum Saufen an. Mehr Kohle. Mehr Status. Mehr Jung. Und dings. Um nicht zu ersaufen, empfiehlt es sich, Gewicht loszulassen. GeWichtiges, Überflüssiges und Hemmendes wegzuschmeißen. Nicht easy. Vor allem, wenn du einen Haufen hast. Absichtliche Reduktion  rein seelisch auch eine feine Sache. Da auch ein bisschen weniger. Weniger Egoschweinchen. Das mit dem Ego ist so ein Ding. Das ständige IchIchIch und Ich-habe-ja-nix-zu-verschenken und: bin ich deppert!? Mir gibt auch keiner was! Herschenken und teilen tun nur irgendwelche linkslinke Fuzzis oder religiöse Spinner oder diese Gutmenschen! Komisch. Das mit dem Teilen. Das Sich-Schwertun damit. Weil das Teilen ja von Anfang mit dir und in dir. Ab dem Startschuss deines Lebens bist du mit dem Teilen vertraut. Das Teilen ein Teil von dir. Ohne Teilen du und ich gar nicht da. Auf der Welt. Nicht das Teilen im Internet im fratzenbook & Co. Im Bauch deiner Mutti hat es begonnen. Das Teilen. Nachdem Mutti mit Vati das Kopfkissen geteilt hat. Und diverse Körperflüssigkeiten getauscht und dings. Auch mit dem Vati. Als schlichter Einzeller hast du mit dem Teilen angefangen. Erst einmal teilen, dann noch einmal und so fort und so fort… Bis du schließlich du warst. Ein Mensch. Mit Nase, Augen, Geist, Seele, Weibchen, Männchen…Eine Sonderanfertigung. Ein Unikat und Unikum. Um ein lebendiger Mensch zu werden, musstest du teilen. Hast gegeben. Hast geschenkt. Dich geteilt. Dich verschenkt. An das Leben. Dem Leben mitgeTeilt: Hey, ich bin da! Stell dir vor, du wärst als Einzeller so ein trotziges Ego gewesen. Ein Egozeller. Voll auf Egotrip: „Was interessiert mich das Teilen. Dieser Scheiß! Ich will meine Ruhe! Ich gebe nix her von mir! Ich teile nicht, und mich schon gar nicht! Fick dich!“ Wäre wohl nix geworden mit dir. Würdest heute noch als Urzeller irgendwo herumeiern. Obwohl:  vielleicht hätten wir es damit besser erwischt und wären glücklicher und zufriedener und humaner drauf? Verflixt! Das Teilen macht augenscheinlich lebendig(er). Das Teilen ist ein bewusstes Weniger. Somit spendet  das Weniger neues Leben: Weniger oberflächlich und nur das Außen zählt und dings. Weniger nachtragend sein. Weniger Masken. Weniger verletzend sein. Weniger Neid. Weniger Zwietracht. Weniger Hackfresse. Weniger Schnickschnack. Weniger Geiz. Aber dafür umso mehr Geil! Geil drauf sein: Großzügig. Mitfühlend. Freundlich. Geile Augenblicke mit deinen Leuten verleben. Achtsamer Umgang mit deiner Zeit. Ein frühzeitiges Reduktions-Training nimmt dir viele Ängste vor den Reduktionen beim Älter werden. Beim Ältern. Du wirst ein wenig entspannter. So werden Ältern und Reifen möglicherweise doch geile Dinger. Und so nebenbei in meiner Funktion als Männchen: viele reifere Frauen so was von geil ausschauen! Alter Schwede! Älter werden aber nicht nur weniger, sondern schon auch mehr. Vor allem, wenn du ein wenig Weisheit und so, dann nicht selten: mehr Mut, mehr Gelassenheit, mehr über deinen Tellerrand, mehr nachhaltig und an künftige Leben denkend,  mehr echtes Selbst…Was willst du da noch Mehr?

 
 

Grübel-Orgien in meinem Schädel

Wer alleine ist, den besuchen die Grübeleien ohne eingeladen zu sein. Sie fragen nicht lange und pfeifen sich einen feuchten Kehricht um deine Meinung. Sie pfeifen dir höchstens was. Grübeleien sind Gedanken-Crasher. Sie schleichen sich still und unheimlich raffiniert in dein Oberstübchen und tanzen dort Tango. Mit dir. Grübeltime ist Sorgentime. Das Grübeln verspeist dein Hirn. Und deine Seele. Deinen gesunden Hausverstand sowieso gleich mit. Frage nicht. Als Verdauungsdings, also quasi hinten raus, dort wo die Sonne in der Regel nie hinkommt, flutscht schließlich wie von selbst: das Sich-Sorgenmachen. Das Grübeln ist sehr innovativ. Grübeleien sind Wissenschaftler und besitzen einen äußerst beherzten Forscherdrang. Grübeleien verfügen über einen enormen Weitblick. Sie sind visionär. Sie schauen stets nach vorne. In die Zukunft. In deine Zukunft. Und sie malen dir diese in ihren buntesten Farben aus. Grübeleien sind ausgesprochen schöpferische Köpfe. Und in deinem Kopf fühlen sie sich auf Anhieb freilandsaumäßig quietschfidel. Urlaub bei Freunden nix dagegen. Zwar ist deine gute Laune mit einem Mal im Arsch. Du aber bist von nun an nie mehr alleine. Wirklich nie mehr! Der Beginn einer endlosen Lovestory. Wer braucht da noch parship und Elite-Partner und dings. Zum Nachgrübeln gibt es ja immer was. Alle unsere Ängste wollen nonstop begrübelt werden. Quasi am Bauch gekrault und im Nacken massiert. Die reinste Angstreflexzonenmassage. Nächtens wird vielerbetts nicht mehr Liebe gemacht, sondern werden große Sorgen gewälzt. Man feiert (S)Orgien. Natürlich gibt es berechtigte Ängste. Ich wäre ein blauäugiger Realitäts-Beiseiteschieber-Depp, wenn ich meine Augen davor verschließen würde. Zukunftsängste. Lande ich direkt in der Altersarmut? Bekomme ich eine schwere Krankheit und muss den Rest meiner Tage dahin siechen? Existenzängste spielen Rambazamba in deinen Gedärmen und führen dir vor Augen, dass Scheißangst nicht bloß ein Gleichnis ist. Sondern eine dünnpfiffige Realpräsenz. Kann ich meine Miete zahlen? Mein Kind ernähren? Bekomme ich wieder einen Job? Verdammt, warum so viel Monat am Ende des Geldes!? Terrorangst. Kann ich auf die Straße gehen, oder werde ich heute Opfer eines Irren, der wild um sich schießt oder sticht oder fährt? Diese Ängste und noch viele andere  gibt es. Keine Frage. Viele schon selbst erlebt und durchgrübelt und in anderen gerade mitten drin. Das ständige Grübeln bringt dich keinen Millimeter weiter. Es mag vielleicht deinem Selbstmitleid oder deiner Opferrolle schmeicheln, aber das war es auch schon. Das Grübeln hält dich gefangen. In deinen Angst-Universen. Davon könnte ich Oden singen, mein lieber Schwan. Sofern ich Oden singen könnte. Wenn du zu viel grübelst, dann kannst du unter Menschen gehen, Freunde treffen, um zu reden. Manche haben die gleichen Sorgen wie du, dann ist es schon ein wenig leichter ums Herz. Ab und an lasse ich die Nachrichten sausen und versuche mir meine eigene Meinung zu bilden. Ich habe auch probiert, mir mein Grübeln mit positive thinking auszutreiben. Quasi Gedanken-Exorzismus. Aber die Grübel-Poltergeister in meinem Kopf wollten partout nicht das Weite suchen. Deshalb Strategiewechsel: Gastfreundschaft. Ich empfange meine Grübeleien. Sperre sie nicht aus, sondern bitte sie, bei mir einzutreten. Ich bewirte sie mit meiner Aufmerksamkeit. Ich werde ihnen zu einem guten Zuhörer. Weil: ob du es glaubst oder nicht, die Grübeleien sind im Grunde arme Teufel. Schau, keiner mag sie so recht. Einsam sind sie halt. Vielleicht genau so einsam wie du? Und wenn zwei Einsame sich finden… Na siehst du. Wenn du keine Angst mehr vor ihnen und sie ein wenig lieb hast, dann gehen sie früher oder später. Todlangweilig wird ihnen bei dir, wenn sie keine Panik verbreiten können. Gibt es nix zu tun, dann kündigen sie von selbst. Ich liebe meine Grübeleien zu Tode. Wenn man so will. Und wenn sie ganz hartnäckig sind, ist es auch nicht so fürchterlich. Weil: wenn ich von vornherein grübelnd immer das Schlechteste erwarte, dann kann es im Idealfall immer nur besser ausgehen. Auch nicht (gr)übel!

 

 
 

Janusgesicht Leben

"Italia terra fecunda est.“ Italien ist ein fruchtbares Land. Und das nicht erst seit Berlusconis Bunga Bunga. Das war der erste lateinische Satz, der über meine Lippen kam. Damals. In grauer Vorzeit. Schulvorzeit. Dieser unscheinbare Satz fiel auch bei mir auf mehr oder weniger fruchtbaren Boden. Denn in der ersten Lateinstunde erzählte unsere Professorin Elisabeth Wörtl – die Götter mögen sie selig haben - etwas über römische Götter. Einen von diesen Typen fand ich total cool: Janus. Schon rein von seiner Erscheinung her. Ein Kopf. Zwei Gesichter. Eines schaut nach vorne, eines nach hinten. Face Two Face. Quasi. Warum zwei Gesichter? Eine Mutation? Eine Folge aus einer antiken Atomkatastrophe? Ein römischer Tschernobyl-Fukushima-Super-GAU zum Quadrat? Ist Janus gar ein außerirdischer Besucher, frei nach Erich von Däniken? „Janus“: eine Gedankenspielerei, ein Projektname eines römischen Tüftlers? Der von allen immer nur „Der Komische, der Sonderling, der Spinner in seiner Werkstatt“ genannt wurde?  „Janus“ quasi sein origineller Vorläuferentwurf zu künftigen Rückfahrkameras und Pre-Crash-Systemen moderner Autos? In diesen spähen optische Linsen mittlerweile in alle möglichen und unmöglichen Richtungen. Oder ist Janus eine gespaltene Persönlichkeit? Hannibal Lecter ein schweigendes Lämmchen dagegen? Ist Janus bloß ein Spiegel? In echt siehst du gar nicht ihn. Sondern dich selbst. Weil gespalten und doppelgesichtig und doppelzüngig wir ja allesamt. Frage nicht. Privat bist du anders als im Beruf. In deinen vier Wänden anders als unter Leuten. Menschen, die du magst, behandelst du anders als jene, die dir einfach am Arsch vorbeigehen. Und beim Sex bist du noch einmal  ein ganz anderer als wenn du beim Finanzamt sitzt. Wobei: Da und dort musst du deine Hose runter lassen. Wer kennt schon sein wahres Gesicht? Eigentlich müsste Janus mehr als zwei Gesichter haben! Neben Spiegelbild kann Janus auch Vorbild sein. Ein Meditationsbild. Eine Ikone des menschlichen Miteinanders. Ein interkulturelles Piktogramm. Für mehr VORsicht und RÜCKsicht. Bei deinen Artgenossen… Bei Bienen, Bächen, Almen, Wiesen, Gänseblümchen, Ziegen, Birken, Hasen… Fast täglich sage ich zu Leuten auf der Straße: „Rücksicht bitte! Vorsicht bitte!“ Nein, ich bin kein Besserwisser, Moralapostel oder Wanderprediger geworden.  Das ist meine normale Gesprächsbasis mit Smartphone-Exhibitionisten. Die in ihrer virtuellen Welt auf realen Gehwegen spazieren gehen. Da passieren Zusammenstöße. In der realen Welt mit realen Menschen. Mit realen blauen Flecken. Deshalb aktiviere ich mein Pre-Safe-System „Janus“ und rufe: Vorsicht! Rücksicht! Je nachdem. Ob Frontalcrash droht. Oder Aufprallunfall. Siehst du, das würde unserem Janus nie passieren. Künftig werde ich nur mehr „Janus!!“ schreien. Leben ist Janus. Immer zwei Seiten: Warum freuen sich die einen über den ersten Schnee, während sie beim Christbaumschmücken aus dem Fenster ihres wohlig warmen Heimes schauen? Während ein Obdachloser panische Angst bekommt, weil er nicht weiß, wohin heute Nacht. Warum klagen die einen über ein paar Fältchen um die Augen? Während ein anderer gerade die Diagnose Krebs erhält. Warum verzweifelt eine Mutter in ihrer Wohnung im zehnten Stock? Weil sie nicht weiß, woher das Geld für das Nötigste. Während andere sich nicht entscheiden können, ob sie heute mit dem Porsche oder doch mit dem Bentley ins Jagdhaus fahren... Warum baut man selbstfahrende Autos, solange es Menschen gibt, die an Hunger sterben? Normalerweise sollte man zuerst diesen helfen und Hunger, Kriege, Armut und dings beseitigen, bevor man sich an diverse Luxusideen heranmacht. Ach du lieber Janus! So viele Fragen. Mindestens zwei Gesichter. Aber nur ein Hirn.

 
 

Unterm Bett

So richtig nett ist´s nur im Bett! Peter Alexanders weiser Sangesspruch. Wer kennt ihn nicht!? Gott hab ihn selig! Den Peter. Und er segne diesen Spruch. Das Bett ist eines der letzten Bollwerke der Geborgenheit. Frage nicht. In Betten spielen sich vorwiegend schöne Sachen ab. Liebe machen. Neues Leben machen. Mein Opa hat deshalb das Schlafzimmer „Werkstatt“ benannt. Frisch Verliebte kuscheln den ganzen Tag in ihren zerknüllten Liebesnestern. Schmieden dort allerlei Zukunftspläne und schwören ewige Liebesschwüre. In Betten erschläft man sich neue Kräfte. Und Karrieren – so böse Zungen. Betten sind Medizinmänner und Schwitzhütten. Kranke erfahren Heilung. Betten sind Klöster. Für viele der einzige Ort, wo sie Zeit für sich haben und in ihr Inneres schauen können. Ein wenig Ruhe haben halt. Betten sind Seelen-Bahnhöfe. Von dort aus treten viele von ihnen ihren allerletzten Trip an. Die Schienen verlaufen ins große Glückseligkeits-Steppdecken-Wolken-Nirwana. Halleluja, sag ich! Betten sind mystische Plätze. Daunenhafte Nazca-Linien. Landeplätze für deine Träume. Die Mittler zwischen unserem verwirrenden Hier und der jenseitigen Anderswelt. Betten sind Friedensstifter. Quasi die Gandhis unter den Möbeln. Sie sollten schleunigst den Nobelpreis kriegen! Wer schläft, der denkt und tut nix Böses. So, ihr Bösewichte und all ihr anderen A…lö…er dieser Welt: Bitte ab ins Bettchen! Meine allerschönste Bett-Ekstase ist die, wenn ich sommers nachts – eingehüllt in ökoweichspülfrischer Bettwäsche – in meinem Bett liege, das Fenster weit offen. Und das alles während es draußen so richtig schön regnet. Mein lieber Schwan. Das ist schöner als Sex. Echt jetzt. Betten können auch unheimlich sein. Gruselig. Unterm Bett hausen ja auch Geister, böse Hexen und diverse Vertreter aus der Zunft der Dämonen. Ganz wilde Hunde halt. Hintertrieben bis zum Gehtnichtmehr. Wie oft haben einst meine persönlichen Ghostbusters wie Mama oder Oma oder Opa unters Bett schauen müssen, um gespenstermäßig alles zu checken. Ob alles clean. Quasi. Eines schönen Tages aber wollte ich der Sache auf den Grund gehen, nahm all meinen Mut zusammen, ging meinem Bett auf den Grund und stieg unters Bett. Und ich blieb dort. Weil es war schön. Wunderschön. In meiner persönlichen Höhle. Und wenn dort irgendwelche Geister hausen, dann müssen es sehr liebe und gute sein. Die mich auf meinen Höhlenexpeditionen begleiteten und beschützten. „Unterm Bett“ war lange Zeit einer meiner Lieblingsorte. Geborgenheit zum Quadrat. Quasi die Geborgenheit in der Geborgenheit. Dort traf ich mich mit meinen Tagträumen, alberte mit der Fantasie herum und oft schlief ich auch nur ein. Manchmal, wenn es turbulent oder rau im Leben, da steige ich geistig unters Bett. Und ab und an wünsche ich meinen guten Dämonen unterm Bett eine gute Nacht. Ich wünsche allen Menschen und der Welt mehr „Unterm Bett“!

 
 
 

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