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SINN-VOLLES FÜR UNS ALLTAGSPHILOSOPHEN

 

Michael Bauer war Mönch im Benediktinerkloster St. Paul, Kärnten. Seit vielen Jahren praktiziert er traditionelle christliche und asiatische Meditationsformen. Als begeisterter Läufer entwickelte er zudem eine einzigartige Verbindung zwischen Ausdauertraining und spiritueller Praxis, die er in seinem Buch "Die Seele läuft mit" (Integralverlag) und "Power für die Seele" (Südwest) veröffentlichte.
Er schreibt exklusiv für den Glyx-Letter.

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über Tomaten und Humor

Sind Sie auch ein Fan von Tomaten und essen diese so gerne wie ich? Ich mag ihre schöne rote Farbe, ihr Geruch ist der des Sommers und ihr Geschmack eine Liebkosung des Gaumens. Bald haben sie wieder Hochsaison. Tomaten sind gesund und sie machen glücklich. Und sie schenken uns Humor! Wie? Humor? Wie soll denn das gehen? Besitzen die Tomaten etwa ein bisher unbekanntes Vitamin H (umor)? Ja, so ähnlich. Nur wird dieses "Vitamin" nicht beim Verzehr der Tomaten von uns aufgenommen, sondern viel früher: beim eigenhändigen Pflanzen der Tomaten und bei der liebevollen Pflege dieser. In Humor steckt etwas Lateinisches drinnen, nämlich Humus. Den haben schon viele von Ihnen vom Baumarkt nachhause geliefert. Humus bedeutet Erde. Und mit dieser kommt man unweigerlich in Berührung, wenn man seine Tomatenpflanzen einsetzt.
Gartenarbeit finde ich eine der besten Methoden, um runterzukommen. Man muss dabei auch runter, sich runterbeugen zum Humus und mit bloßen Händen darin herum wühlen. Man greift ins volle Leben, in die fruchtbare Erde, die uns alle nährt und (er)trägt. Das erdet uns. Es beruhigt das Gemüt und der kühle Humus verschafft uns einen kühlen Kopf. Die Gartenarbeit ist Meditation in Bewegung – Garten-Yoga.
Und während man seine Tomaten in den Humus pflanzt, pflanzt man in sein Herz den Humor. Humor ist kein Witzereißen auf Kosten anderer, sondern eine Lebenshaltung. Der Humor relativiert und schärft unser Auge für das Wesentliche im Leben. Ein Mensch mit Humor sieht sich als Teil der Erde und als Partner der Schöpfung, nicht als deren Beherrscher. Er zeigt Mitgefühl. Er nimmt sich nicht sooo wahnsinnig wichtig und kann über sich lachen. Das macht entspannt und gelassen. Der Humor ist gesund und macht glücklich. Wie die Tomaten. Wenn Sie keinen eigenen Garten haben, dann lassen Sie Ihre Tomaten in einem Kistchen oder einem Topf sprießen. Der Humor wächst auch dort. Wenn Sie das nächste Mal einen Tomatensalat, eine Tomatensuppe oder einen Tomaten-Mozzarella-Caprese genießen, dann denken Sie an das Vitamin H (umor), das in Ihren Tomaten steckt.

 
 

... über kätzisches Yin und Yang

Vergangenes Wochenende hatte ich einen Kater. Nein, Sie denken jetzt in die verkehrte Richtung. Nicht so einen Kater, den man bekommt, nachdem man am Vortag zu wenig Blut im Alkohol hatte, sondern einen echten Kater aus Fleisch und Blut und einem Kuschelfell. Ich hatte das schöne Vergnügen, Kater Maxi zu umsorgen. Doch jedes Mal, wenn ich mit ihm Zeit verbringe, habe ich das Gefühl, dass er sich um mich kümmert. Er erzählt mir viel über die Ars Vivendi – die Kunst des Lebens. Schnurrende Unterweisungen in Sachen Daseinsfreude. Köpfchen reibend dargebracht. Unsere Schmusetiger sind nicht nur herzerweichende Charmeure, sondern auch weise. In vielen Kulturen gelten sie als mystische, ja heilige Wesen. Was können wir uns von unseren Kuschel-Mystikern abschauen? Von ihrem Verhalten uns gegenüber sehr viel. Katzen achten im Umgang mit uns nicht auf Besitz und gesellschaftliche Stellung. Sie mögen uns aufgrund unseres Wesens. Sein steht vor dem Haben. Und in Sachen "Sein" sind Katzen wahre Meister – im DA-Sein. Sie leben vollkommen im Hier und Jetzt, im gegenwärtigen Augenblick. Ganz da und ganz bei Ihnen. In hingebungsvoller Achtsamkeit genießen sie Daseinsglück und Lebensfreude. Sie haben ein heilsames Gespür für Ausgeglichenheit. Bewegung und Muße gehen bei ihnen in samtpfotendem Gleichschritt. Kätzisches Yin und Yang. Katzen sind authentisch, lieben bedingungslos und haben ein gutes Näschen für die Ursprünglichkeit des Lebens. Sie sind selbstbewusst und setzen klare Grenzen. Ihr Nein ist ein Nein und ihr Ja ist ein Ja. Das erleichtert das Miteinander. Sie haben eine natürliche Intuition für das, was gut tut. Ihnen selbst und ihren Menschenfreunden. Sie spenden Trost, heilen Einsamkeit und beruhigen nervöse Gemüter. Ihr Schnurren erzeugt Geborgenheit, Angekommen-Sein und Alpha-Wellen in unseren Köpfen. Das sollten auch wir Menschen uns gegenseitig antun. Seien Sie so oft als möglich des anderen Menschen Katze/Kater. Mit Ihrem Sein und mit Ihren "Schnurren" –  sprich Worten. Und leben Sie:  M(ehr) I(m) AU(genblick)!

 
 

Mitfreude

"Geteiltes Leid ist halbes Leid" – so lautet ein altbekanntes Sprichwort. Der Beistand  einfühlsamer Menschen in schwierigen Augenblicken unseres Lebens schenkt Trost, Hilfe und gibt Hoffnung. Aber glücklicherweise besteht unser Leben nicht nur aus dunklen Stunden, sondern es werden uns auch viele schöne Tage geschenkt. Wenn geteiltes Leid sich halbiert, so müsste sich logischerweise geteilte Freude verdoppeln. Oder? Eigentlich schon. Aber wenn es um die Mitfreude mit dem Glück anderer geht, da werden wir plötzlich zurückhaltend. Nach außen hin mögen wir zwar lächeln, aber tief drinnen machen wir ein langes Gesicht auf dem geschrieben steht: warum nicht ich? Wenn man auf Menschen in seiner Umgebung  trifft, die gerade einen guten Lauf haben im Leben, die Karriere machen, die gerade ihr neues Traumhaus beziehen und ihr Traumauto davor parken, die frisch verliebt sind, eine tolle Reise machen, ihre eigene Firma gründen und sonst noch allerhand erreichen, wonach man selbst immer schon gestrebt, aber noch nicht umgesetzt hat – dann sticht einen der Neid mit spitzen Nadeln. Die "Goldene Regel" sagt sinngemäß, dass man den anderen das nicht antun soll, was man selbst auch nicht angetan bekommen will. Der Neid ist weder angenehm noch fruchtbar, weder für den Neider noch für den Beneideten. Tun wir dem anderen weniger Neid an, geht es uns um Welten besser. Und all dass, was Sie dem anderen nicht gönnen, werden Sie selbst auch nicht bekommen. Denn Sie verbeißen sich derart in Ihre Neidgefühle, dass Sie sich von Ihren eigenen guten und kreativen Kräften abschneiden und diese nicht für die Umsetzung Ihrer Ziele einsetzen können. Und möglicherweise werden Sie feststellen, dass Ihre Ziele oft ganz andere als jene Ihres Nachbarn sind. Schenken Sie von nun an wirkliche Mitfreude und das wahre Glück wird in Zukunft viel lieber bei Ihnen einkehren.

 
 

Über das Bügeln und die Erleuchtung

Sollten Sie heute noch einen Berg Wäsche zu bügeln haben, dann freuen Sie sich! Denn mit dem Bügeleisen in der Hand, glätten Sie Ihren Pfad der Erleuchtung. Um Erleuchtung zu erlangen, müssen Sie nicht den Jakobsweg gehen oder sich monatelang in ein einsames Kloster in Indien zurückziehen. Es reicht, wenn Sie Ihr Bügelbrett aufstellen und losbügeln. Das ist Meditation im Alltag. So oft sind wir auf der Suche nach dem Großartigen in unserem Leben, dass wir das Kleinartige völlig übersehen. Aber Vorsicht! Kleinartigkeiten sind die Wegweiser zu unseren ersehnten Zielen. So wird aus dem profanen Bügeln ein Vehikel unserer Erleuchtung. Was ist Erleuchtung? Haben die nicht nur Propheten und Heilige erreicht? Buddha gilt als personifizierte Erleuchtung. Nein. Jeder von uns hat die Möglichkeit zur Erleuchtung. Viele von Ihnen haben Sie schon gehabt – und das mehrmals. In Erleuchtung steckt das "Leuchten" drin. Das hat mit Licht zu tun. Erleuchtung meint: Ein Licht geht mir auf. Und das beim Bügeln? Aber klar doch! Das Bügeln ist oberflächlich betrachtet eine monotone Tätigkeit. Aber so einfache manuelle Verrichtungen ohne große Konzentration führen Sie in einen tagträumerisch-meditativen Zustand. In eine kurze Alltagstrance. Sie entspannen sich quasi von selbst, ohne willentliche Anstrengung. Dabei wird Ihr Gedankenfluss frei von Blockaden. Man verlässt verkrampfendes Grübeln und bekommt Zugang zu seinen geistig kreativen Kräften. Wie aus heiterem Himmel eröffnen sich Ihnen Lösungen für lang mitgeschleppte Probleme und unlösbar geglaubte Aufgaben. Viele Lichter gehen an – das ist Erleuchtung pur! Die passiert dort, wo Sie es am allerwenigsten erwarten. Wie beim Bügeln. Wer mag, kann sich mit Musik begleiten lassen. Beruhigend und entspannend sollte sie sein. Also dann: Erklimmen Sie den heiligen Wäsche-Berg der Erleuchtung!

 
 
 

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