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SINN-VOLLES FÜR UNS ALLTAGSPHILOSOPHEN

 

Michael Bauer war Mönch im Benediktinerkloster St. Paul, Kärnten. Seit vielen Jahren praktiziert er traditionelle christliche und asiatische Meditationsformen. Als begeisterter Läufer entwickelte er zudem eine einzigartige Verbindung zwischen Ausdauertraining und spiritueller Praxis, die er in seinem Buch "Die Seele läuft mit" (Integralverlag) und "Power für die Seele" (Südwest) veröffentlichte.
Er schreibt exklusiv für den Glyx-Letter.

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Wo ist mein Maxi-Mumm?

Ein Streben nach dem maximalen Leben treibt uns um. Maximal alt werden. Maximal gesund sein. Maximal erfolgreich sein. Maximal schön. Maximal fit. Maximaler Schein. Das Maximum herausholen. Aus uns. Aus der Natur und aus anderen Menschen. Ein Maximum an Nutzen, Gewinn und Vorteilen. Maximales Wachstum. Für heute, für jetzt, für uns. Für viele andere gibt’s nicht mal das Nötigste. Pech gehabt! Stolz gebläht ist des Bankers Brust und seine Finanzblase. Das Glas: nicht halbleer oder halbvoll, es soll überlaufen. Wir alle laufen. Hektisch, betriebsam und atemlos. Nicht wissend, wohin genau die Reise geht. Dem Maximum hinterher, mit Minimum an Zufriedenheit im Herzen und einem Null-Lächeln im Gesicht. Das killt Lebensqualität. Unsere Menschenqualität. Mensch sein! Was ist das? Wo darf man das? Im Radio läuft auf „Ö1“ gerade die Sendung „Menschenbilder“. Filmemacher Joseph Vilsmaier erzählt aus seinem Leben. “Die Flucht vor Gefühlen verbiegt die Menschen nur“, sagt er. Schaue in mir nach und finde viele Biegungen. Und viel Flucht. Unter anderem in die bequeme Gewöhnung. Wenn es um das Gefühl geht, gegen den Maximum-Strom unserer Zeit zu schwimmen. Das verlangt Mumm. Viel Mumm. Einen Maxi-Mumm. Gegen das kurzsichtige und kurzfristige Maximum. Einen Maxi-Mumm zum Nein. Ein Nein zu Herzlosigkeiten. Zur Ausbeutung von Mensch, Tier und Planet Erde. Ein Nein zum medial diktierten Jugendwahn, Angst vor Falten und der daraus resultierenden Botox-Einheitsmimik. Betäubt, ohne persönlichen Ausdruck. Dahinter betäubte Gefühle. Eine betäubte Seele. Die aufwachen möchte. Wieder ist Maxi-Mumm gefragt. Maxi-Mumm zur eigenen Lebendigkeit. Ich denke gerade an meinen großen Liebling, Kater Maxi. Der hat Mumm. Seinen Maxi-Mumm. Zum Leben, zum So-Sein, wie man halt ist. Zum Ja. Zum Nein. Zum Schmusen. Ich suche meinen Maxi-Mumm, täglich, jeden Augenblick. Manchmal zum Greifen nah, dann wieder Lichtjahre entfernt. Werde ich noch genug Augenblicke haben, um ihn zu finden? Haben Sie Ihren schon?

 
 

Sinnloser Wolkenflug mit Frank S.

Ich schaue  zum Himmel empor. Weiße Wolken ziehen langsam vorüber. Auf meinem geistigen Ohrwurm-iPod wähle ich spontan Frank Sinatras „Come Fly With Me“. Wie gerne würde ich es tun. Mit den Wolken fliegen. Über alle Grenzen hinweg.  Über meine Grenzen. Wolkenschauen. Schön! Sinnlos? Sinnlos schön! Es tut gut, nur da zu sein und seine Sinne los zu schicken. Sinn-Los-Sein. Unsere Sinne haben Kurzurlaube dringend nötig. Seien wir lieb und  lassen sie ab und an ziehen. Welche Strapazen müssen die Fünf täglich ertragen!? Ganz nebenbei sind sie ein präziser Seismometer unserer Befindlichkeiten. Vieles schmeckt uns gar nicht oder bloß monoton. Das Essen. Unser Dasein. Wie viele Tage, Orte und Menschen  können wir nicht riechen? Ganz nebenbei vergeht einem  das Hören und Sehen. Bei dem, was man so zu hören und sehen bekommt. Unser sensibles Tasten aus Kindertagen mutierte längst zum hastigen und ängstlichen Greifen. Immer greifen wir nach etwas. Nach Besitz, nach Anerkennung, nach Bestätigung, nach dem Beliebt-Sein  und dem Geliebt-Werden. Nach den Sternen und zeitgleich nach Sicherheit. In dieser Greifhektik ergreift uns die Sehnsucht nach  zärtlichem Streicheln. Unsere Sinne wollen gestreichelt werden. Wolkenschauen wir öfters mal nach ihnen.  Beim sinnlosen Wolken-Schauen. In unberührter Natur. Eine sinnliche Auszeit. Das Blau des Himmels klärt unseren Blick, die sanfte Stille liebkost unsere Ohren, die saubere Luft erquickt unser Näschen. Das grüne Gras umschmeichelt unsere Hände und unserer Zunge schmeckt es, einmal nichts zu schmecken. Schon gar keine Kunstaromen. Gönnen wir uns sinnlich Gutes und Angenehmes. Sodass wir feinfühligere Sinne in unser Leben locken. Für eine vollsinnlich sinnvolles Leben. Sinnengeschärft lernen wir tastend unser Leben zu berühren. Wir lassen und wieder berühren und bleiben nicht  unberührt. Schicken wir unsere Sinne gelegentlich zu den Wolken empor. Damit wir geerdeter werden. Wir wieder die Schönheiten, die Kostbarkeiten und Einzigartigkeiten des Lebens riechender, hörender, sehender, tastender, schmeckender wahrnehmen.

 
 

Tagträumende Schäume

Tagträumer besitzen einen zweifelhaften Ruf.

Sie gelten als realitätsfremd und dem Müßiggang zugeneigt.
Wozu sollen Tagträume überhaupt gut sein? Träume sind
doch nur Schäume. Doch Schäume haben es in sich. So erzählen
die alten Griechen, dass die Liebe und das Schöne in der Gestalt der atemberaubenden Aphrodite aus Meeresschaum entstanden ist. Oder man denke nur an die österreichische Mehlspeisverführung namens Schaumrolle, begleitet von einem Cappuccino, natürlich auch mit Milchschaum. Ein Halleluja für den Gaumen!  Manche träumen sogar direkt im Schaum, in einem wohlriechenden Schaumbad mit einem Gläschen Schaumwein – schaumhaft schön! Tagträume verleihen uns Kraft. Ich tagträume gerne. Gemütlich auf einer Parkbank, auf einem alten Baumstumpf im Wald, beim Zugfahren, auf einer grünen Sommerwiese liegend oder daheim auf der Couch. Egal wo, man ist während seiner Tagträume sowieso ganz woanders, immer unterwegs. Tagträume führen uns in das Land unserer wahren Wünsche und Sehnsüchte. Tag-Träume lassen uns von Tagen träumen, die wir gerne erleben würden. Tage, die wir gerne hätten, Tage mit viel Freude, Zufriedenheit, Glück und Sinn. Tage mit guten Erfüllungen. Tage, an denen wir mit unserem Tun und unserem Sein eins sein dürfen. Tage, wo die Kluft zwischen Wunsch und Realität geschlossen ist. Wo wir unsere Mauern aus Angst und Selbstzweifel endlich übersprungen haben. Mit unseren Tagträumen locken wir unsere Wunschaugenblicke zur Schwelle des wirklich Möglichen. Tagträume geben Impulse und schenken uns fruchtbare Ideen, wie man seine ersehnten Traumtage erreichen könnte. Tagträume fördern und fordern uns. Sie fördern den Zugang zu verborgenen Talenten und Möglichkeiten und fordern gleichzeitig heraus, diese tätig umzusetzen. So wird aus Traum Realität. Ich tagträume gerne zu Musik. Musik ist der Wind für die Segel meines Tagtraum-Bootes mit denen ich zu meinen Tagtraum-Inseln inmitten des Ozeans meiner Sehnsüchte aufbreche. Mit viel Traum-Schaum im Gepäck. Los geht’s, schäumen Sie Ihre Tagträume kräftig auf!

 
 

Silvester – Bleigießen mit dem „Inneren Schweinehund“

Ein Jahr ist schon wieder übers Land gezogen und ein neues steht bereits am Start. Neues Jahr, neue Wünsche und neue Sehnsüchte. Die Magie dieses Neuen erfasst uns alljährlich mit ihrer ganzen Fülle besonders zu Silvester. Die letzten Überbleibsel des alten Jahres werden mit Silvesterknallern davon gejagt. Auch schießt man gerne mit Sektkorken auf das ablaufende Jahr. „Alkoholleichen“ sind dabei nicht  ausgeschlossen. Pros(i)t Neujahr! Vielerorts weihräuchert man auch Haus und Hof, um die „bösen Geister“ des alten Jahres zu verbannen, um Platz für Glück und Segen zu schaffen. „Böse Geister“ sind auch belastende Angewohnheiten und Lebenshaltungen, die einem den Weg zum Glück und zur Zufriedenheit versperren. „Innere Schweinehunde“ werden sie gerne genannt. Kennt wohl jeder von uns nur zu gut. Sie auch? Der Silvestertag ist seit jeher ein Tag, an dem wir deshalb einen Vorsatz-Marathon bestreiten. Die Euphorie kribbelt uns unter der Haut wie Sektperlen auf der Zunge. Nächstes Jahr wird alles viel besser! Da werde ich mehr auf meine Gesundheit achten, mehr Zeit mit meinen Liebsten verbringen, netter zu meinen Mitmenschen werden, nicht mehr achtlos am Obdachlosen im Stadtpark vorbeigehen, die Dankbarkeit an die Stelle des Stolzes stellen, umweltbewusster leben, ein menschlicherer Mensch sein oder zu einem werden… Es liegt allein an uns, ob die guten Vorsätze, die wir fassen, wahr werden oder ob sie schneller verglühen als die Feuerwerksfunken am Silversternachthimmel. Zu Silvester schaut man fragend ins neue Jahr hinüber. Was hält es für mich bereit? Hoffnungen und Ängste regen sich dabei zeitgleich. Das Bleigieß-Orakel könnte Antworten liefern. Fantasievolle Gebilde für einen fantasievollen Blick auf das eigene Leben. Und aus so mancher Fantasie wurde schon greifbare Realität. Positives Denken in Blei gegossen. Hauchen wir unseren guten Vorsätzen Leben ein, sodass auch wir mehr vom Leben haben. Ein Leben in Fülle. Das wünsche ich Ihnen für 2014!

 
 
 

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