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Die GLYX-Diät - Xunt, gesunde Ernährung, Abnehmen - mit Marion Grillparzer

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SINN-VOLLES FÜR UNS ALLTAGSPHILOSOPHEN

 

Michael Bauer war Mönch im Benediktinerkloster St. Paul, Kärnten. Seit vielen Jahren praktiziert er traditionelle christliche und asiatische Meditationsformen. Als begeisterter Läufer entwickelte er zudem eine einzigartige Verbindung zwischen Ausdauertraining und spiritueller Praxis, die er in seinem Buch "Die Seele läuft mit" (Integralverlag) und "Power für die Seele" (Südwest) veröffentlichte.
Er schreibt exklusiv für den Glyx-Letter.

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Bilder malen

 

Letzten Donnerstag hatte ich einen Traum. In diesem hatte ich eine heftige Diskussion mit einem Unbekannten. Oder war es nur mein Spiegelbild? Ein Fremder war es halt. Scheinbar bin ich mir selber schon fremd geworden. Kein Wunder. Es ging um Bilder. "Mach dir kein Bild von nix!", hat mir dieser Fremdling ins Gesicht geschleudert. Als spirituell Marinierter fiel mir sogleich das mit dem keine Bilder machen von "Gott" in der Bibel ein. Götzenbilder, die ich anhimmle. Und davon habe ich mehr als genug. Du wahrscheinlich auch. Meistens himmelt man seine eigenen Bilder an. Kriegt nicht genug davon. Ego-Shooting. Selfie-Manie. Ich - meiner- mir- mich. Der gute alte Narziss – ein Altruist dagegen.

 

Bilder machen wir den ganzen Tag. Das Bild vom super Leben. Vom idealen Partner mit dem man dann ideal parnterschuftet. Viele halten sich für Vor-Bilder, sind in Wirklichkeit aber nur überhebliche Einbilder. Verliebte verlieben sich oft nur in das Bild, das man sich vom anderen selber ausmalt und nicht in den wirklichen Menschen dahinter. Tief enttäuscht verduftet man, wenn dieser unserer Phantasiekleckerei nicht entspricht. Wir haben verzerrte Bilder von uns selbst. Sehr oft kein gutes. Reden uns herunter. Machen uns schlecht. Spotten uns aus. Trauen uns nix zu. Deshalb ist es von Vorteil, sich keine Bilder zu machen. Die verstellen oft den Weg. Öfter mal die Vorurteile einfach pixeln. Oder gleich löschen.

 

Es zahlt sich aber auch aus, Bilder zu malen: Das Bild von einer besseren Welt, wo endlich die Guten das Ruder übernehmen. Das Bild von deinem liebevolleren Mensch-Sein. Das Bild von einem erfüllterem Auf-der-Welt-Sein.

 

Angesichts des Todes ist alles lächerlich – mein Lieblingsbild.

 

Änderungsschneiderei

 

"2018. Was sich alles ändert: ...." Die Schlagzeile des neuen Jahres. "Du änderst dich wohl nie!" Ein Schlag in deine Weichteile. Veränderung muss sein. Wer sich nicht verändert, der geht unter. Ist quasi schon erledigt. Finito. Wie kannst du ohne Veränderung happy sein? Loser! Leben muss ab in die Änderungsschneiderei. Schnippschnapp. Da was weg, dort mehr dazu. Weniger dings, mehr bums halt. Egal was und wie, Hauptsache es tut sich was. Immer. Und wenn man gerade an sich nichts ändert, dann versucht man es eben am anderen. Das geht sogar leichter von der Hand. Da wächst der Ehrgeiz in das Unermessliche. Nie ist man zufrieden mit dem Status so und so. Warum nicht mal eine kleine Veränderungskarenz? Stillstehen. Innehalten. Durchatmen und nachdenken. Veränderung passiert. Veränderung. Mein Krampf. Leben ändert sich von der Geburt hin zum Löffel-Abgeben. Bist kurz mal da und dann schon wieder weg. Da kannst du machen, was du willst. Das passiert einfach. Da fragt dich kein Schwanz ob es dir taugt oder nicht. Egal, wer du bist oder zu sein glaubst. Veränderung ist per se was Gutes! Oder doch lieber mit ??? Du kannst dich auch zum Nachteil für dich und andere verändern. Vom phantasievollen Kind hin zum Arschloch-Erwachsenen... Meistens verändert man sich nicht in sein Original. Man vergleicht sich mit anderen und will so sein wie die. Das nenne ich: Ver-Anderung. Eine beschissene Form der Veränderung. Weil du da nie du bist. Ich wünsche dir eine schönes 2018! Mit smarten Veränderungen!

 

Weihnachtskekse in Trance

 

Legalisierung!! Von Haschisch, bitte!! Heute noch! Damit preiswerter und dings. Für medizinische Zwecke unbedingt! Hanf einer der ältesten Heilpflanzen unter der Sonne. Heilt turbomäßig. Sonst bin ich gegen eine Legalisierung! Alter konservativer Volltrottel hör ich dich sagen. Alle schreien nach Haschisch, dem frischen Grün der goldenen Trance. Trance ist super. Heilsam. Denk an die Trance der Schamanen & Co. Aber um diese Trance geht es nicht beim Ruf nach Discounter-Haschisch. Sondern um eine andere.

Eine Trance mittels der du aus dieser fucking Realität verduften kannst. Sie betäuben und ihr in ihren breiten Arsch treten. Wow! Spricht nicht gerade für unser Konstrukt des menschlichen und gesellschaftlichen Miteinanders. Das Leben ist unerträglich. Etwas, das man irgendwie hinter sich bringen muss. Und das so oft als möglich im vernebelten Zustand. Damit es einem nicht so verdammt lange vorkommt. Kann ich durchaus gut verstehen. Aber wozu brauchst du Haschisch, um in eine Trance zu rutschen? Wir alle sind in einer Dauertrance: Trance des allmächtigen Egos mit permanenter Selfie-Nabelschau. Trance des unstillbaren Shoppings. Trance der Eitelkeiten. Trance der Gewalt. Trance des Arschlochismus. Trance der Arroganz. Trance der seelischen Taubheiten....Trance-Zombies. Innerlich tot aber körperlich halt noch irgendwie am Leben oder so.

Schön wäre eine Weihnachts-Trance. Weihnachts-Hasch-Kekse. Gebacken mit dem Haschisch deiner Menschlichkeit. Für eine Trance der Mit-Menschlichkeit und nicht Gegen-Menschlichkeit. Weihnachtstrance der Stille und des inneren Ruhigwerdens. Etwas schmalzig gesagt: Trance der Liebe. Obgleich ich bei solchen Worten in eine Frustrations-Trance gleite. Weil jede Weihnacht sagt frau/mann sich immer das Gleiche: Weniger Konsum, mehr Schmusen. Dieses Jahr mach es wahr! Ich wünsche dir die schönste verschmuste Weihnachtstrance seit du selber aufs Töpfchen gehen kannst! Vielleicht liest man sich nächstes Jahr irgendwie wieder! Alles Liebe! Michael

 

# me too (strange)!

 

Mee too –  ein neues Reizwort macht die Runde. Und alle sind aus dem Häuschen. Finde ich generell auch gut, dass man(n) das nicht so mir nix dir nix als Kavaliersdings unter den Teppich kehrt. Frau ebenso nicht. Logo. Das Ganze wird derzeit auf die Spitze getrieben. Kevin darf nicht mehr schauspielern, die Besetzungscouch wird auf den Sperrmüll geworfen und alle scheinen zufrieden zu sein. Man meidet vier Augen-Gespräche, Lift fahren zu zweit, flirten, Frauen ein nettes Kompliment machen ... Übertrieben. Finde ich. Dieses #me, he, she too... Weil wenn du etwas übertreibst, dann verkehrst du manches in sein Gegenteil. Vor lauter Viel kann man es nicht mehr hören. Überhört es. Echte Opfer von sexueller Gewalt werden möglicherweise übersehen. Weil viele echte Opfer leise leiden und schweigsam. Für Straftaten braucht es keinen Hashtag, dafür gibt es die Justiz. Hashtagmissbrauch. Kann zu einer Profilierungsplattform werden, zu einem Rachevehikel oder weiß der Kuckuck was noch.

Ich plädiere für # mehr Berührungen im Alltag! Nicht zwischen die Beine oder auf den Arsch oder den Busen deiner Nächstin. Grapscher katapultieren sich  selbst ins Abseits. Die werden niemals liebevolle Berührungen ernten, höchstens eine auf die Fresse! Kultivierung der Berührung. Wir leben in einer so fucking-kalten und egozentrischen Gesellschaft, dass es der Sau graut. Jeder sehnt sich nach Berühung, doch es gibt zuwenig davon. Weil alles sofort = Sexualität. 

Lobendes Schulterklopfen oder Streicheln über den Kopf. In den Arm nehmen und in den Arm genommen werden. Berührt werden und sich berühren lassen. Bevor man in einer Welt voll von Gefühlskrüppeln aufwacht. Die Adventzeit könntest du zu deiner Zeit der Berührungen machen. Lass dich berühren von der Not, den Ängsten, den Sorgen, den Zweifeln anderer. Lass dich berühren von der Freude und dem Glück und dem Lachen anderer! Werde ein wenig ein Anderer! Ein Besserer! Einer der auszog, um zu berühren.

 

Alltags-Shaolin

 

Endlich steht  der Winter wieder auf der Matte! Eiszapfige Wonne-Augenblicke! Und das von mir, einem Kältesensiblen. Mach dir deine Feinde zu Freunden! Lerne von ihnen! Kämpfe nicht gegen den Ochsen, sondern spring auf ihn auf! Somit nutze ich den Winter für mein sogenanntes seelisches Vorankommen. Ich meditiere in ihm und mit ihm, um durch ihn zu mir zu finden. Im Freien. Am Puls der Kälte. Durch Kälte zu mehr Herzenswärme.

 
Übungsanleitung: Suche dir einen ruhigen Platz im Freien. Wenn es schön kalt ist. Am Balkon, auf deiner Terrasse. Ich bevorzuge das "Walden", also in den Wald gehen. Setze dich auf den Boden. Bei Bedarf nimm eine Sitzunterlage. Decke, Sitzauflage, Thermoauflage... Im "Schneidersitz", so gut es geht. Wenn das nix für dich ist, dann setze dich auf einen Stuhl oder im Wald: Suche dir einen etwas höheren Baumstumpf. Wenn dir das Sitzen überhaupt nicht behagt, dann bleibe einfach stehen. Ob sitzend oder stehend: Oberkörper aufrecht. Scanne deinen Body: Entspanne deinen Blick, dein Kinn, deinen Hals, deine Brust, deinen Bauch, deine Knie... Atme ruhig und ohne bestimmten Rhythmus durch deine Nase tief in deinen Bauch hinab. Lass deinen Atem wieder durch deine Nase weiter ziehen. Nun: Zieh dich aus! Bis auf deine Unterwäsche. Beginne mit deinem Oberkörper. Lass die nackte Kälte an deine nackte Haut! Gib dich der Kälte hin! Der Kälteschock verflacht deine sowieso schon sehr flache gestresste Alltagsatmung noch mehr. Konzentriere dich auf diese flache Atmung und lass sie allmählich bewusst tiefer und langsamer werden. Die Kälte holt dich in die Gegenwart. Für Grübeleien oder Trägheiten bleibt kein Platz mehr übrig. Endlich einmal! Die klare Winterluft klärt deine Gedanken. Nun kannst du dich weiter ausziehen. Lass die Kälte auch deine unteren Regionen liebkosen. Hartgesottene können sich auch der Unterwäsche entledigen! 5 Minunten Kältemeditation reichen als Anfang! Hab keine Angst, dass du dich verkühlst. Angst schwächt. Wir halten mehr aus, als was wir in der Regel so glauben. Denk daran: Wir nutzen maximal 15 % unseres geistigen Potenzials. Was glaubst du, was du alles schaffst und ertragen kannst. Das bisschen Kälte - ein Klax! Bei der Kältemeditation erfährst du, was es heißt: Dein Geist lenkt deinen Körper! So wirst du zum Alltags-Shaolin.
 
Als Kälte-Meditations-Begleit-Trunk eignet sich hervorragend: Heißer Kakao mit Chilli-Pulver. Einfach ein nicht entöltes Bio-Edelkakaopulver mit heißem Wasser aufgießen und eine mutige Messerpitze Bio-Chillipulver dazu. Fertig ist das "Getränk der Götter" – laut Mayas! Reinigt, wärmt und schmiert deine Nerven!

 

Schwätzchen mit deiner Asche

 

In meiner Ausbildung zum Berufs-Benediktiner-Mönch – derzeit lebe ich quasi als selbständiger Mönch – habe ich gelernt: „Memento mori!“ „Gedenke zu sterben!“ Denk an deinen Tod. Sterbememo. Klingt ein wenig komisch. Spooky! Fast so, als ob man nicht vergessen soll, einmal zu sterben. Da gibt’s nix. Das MementoMori (MM) ist ein guter Tipp. Wir alle haben nun mal ein Ablaufdatum. Da hilft kein Anti-Aging und dings. In Klöstern und alten Bauernhäusern sieht man sie heute noch. Die MMs. Meist kleine Statuen, die den Knochenmann vulgo Tod darstellen. Aufgestellt an Plätzen im Haus, wo du täglich vorbeigehst. Dieser Brauch ist voll meines. Deshalb habe ich mir auch ein MM zugelegt. Ich habe mir selber eines gemacht. Ein modernes und zeitgemäßes: Eine kleine Flasche mit Korkstoppel. Quasi (FL)Aschenpost. In der Flasche Asche. Holzasche. Ich schau mir mein MM täglich an. Ich meditiere regelmäßig damit. Wenn ich wieder mal Bammel oder Lampenfieber habe. Wenn ich etwas oder mich zu ernst nehme oder wenn ich Kleinigkeiten zu Elefanten mache, dann schaue ich auf mein MM. Das wird also einmal von mir übrigbleiben. Ein Häufchen Asche. Aschenstaub. Aus (Sternen)Staub bist du, zu Staub kehrst du zurück. Aschengesang. David Bowie. Ashes To Ashes. Alles nur Sch(w)all und Rauch! Namen, Status und dings… Übungsimpuls: Mach dir auch ein MM. Schau dir dann dein MM an, atme tief durch, komm zur Ruhe und denke daran, dass nix ewig dauert. Auch die schlimmen und hektischen Zeiten werden einmal zu Asche. Sie vergehen. Wie alles halt. Das MM fördert nicht  die Todessehnsucht! Im Gegenteil. Das MM führt dir die Einzigartigkeit deines Lebens vor Augen. Du hast dieses Leben geschenkt bekommen. Was machst du daraus? Was möchtest du daraus noch machen? Was erleben? Was sagen? Wem was sagen? Dein MM erinnert dich daran, dass du keine Sekunde deines Lebens achtlos verschleudern solltest. Dass dein Dasein keine Selbstverständlichkeit ist. Bewusster Umgang mit deinem Leben und deiner bemessenen Zeit. Lass deine Talente nicht ungeöffnet in der Kiste liegen. Schiebe nicht alles auf die lange Irgendwann-Mal-Bank! Dein AschenMM wird zu deinem MM. MutMacher. Tu es! Tu es ganz! Tu es jetzt! Später ist es vielleicht zu spät.

 

 

Schweigen als Beilage

 

Die Stimmung am Mittagstisch ist Teil einer gesunden Ernährung. Um der Tischgemeinschafts-Atmosphäre genauer auf den Zahn zu fühlen, rate ich zu einem Essen mit Schweigen als Beilage. In Klöstern gerne und oft praktiziert. Sehr angenehm. Du bist nicht gezwungen, ständig deinen Schlapfen offen zu haben alias zu reden. Auch kein ununterbrochenes Loch-in-den-Bauch-Ausfragen oder höflich und gezwungen zu langweiligen Anekdoten und schlechten Witzen zu lachen und dings. Versuch das mal. Mit deiner Familie. Mit Freunden. Trefft euch zu einem schweigenden Essen. Wenn Menschen sich nahe stehen, dann haben sie sich auch ohne Worte viel zum Sagen. Wenn nicht, dann helfen auch alle Worte nix mehr. Wobei Schweigen nicht gleich Schweigen. Hier eine kleine Auswahl von Schweige-Arten. Vielleicht kennst du ein paar davon. Womöglich praktizierst du ja einige dann und wann: Arrogantes Schweigen. Das strafende Schweigen. Das nach Beachtung gierende Schweigen. Das unwissende Schweigen. Das weise Schweigen. Das nach Hilfe rufende Schweigen. Das nach Weisheit suchende Schweigen. Das laute Schweigen. Das leise Schweigen. Das erleuchtete Schweigen. Das zerstörerische Schweigen. Das achtsame Schweigen. Das heilende Schweigen. Das schweigende Schweigen. Das vorwurfsvolle Schweigen… Nicht zu vergessen: Das Schweigen im Walde. Die 8Samkeit und das Schweigen und bewusste Hinhören und Hinschauen eröffnen dir viele neue Einsichten. In dein Leben. Ohne viel zu fragen oder zu suchen, bekommst du ohne Umschweife interessante Infos. Wenn du eine wichtige Entscheidung treffen musst, dann versuche einmal zu schweigen. Lass es in dir reifen. Plaudere nicht gleich alles raus. Denn damit lässt du den kreativen Druck aus deiner Seele. Das ist wie mit den Neujahrsvorsätzen. Dies und das werde ich im neuen Jahr sicher machen und noch viel mehr. Allen erzählt. Deinen Freunden und twitter und facebook und whats app… Und am vierten Jänner interessieren dich deine Vorhaben einen feuchten Sonstwas. Alles verpufft. Weil du zu früh aufgestanden bist und deine Eier nicht ausgebrütet hast. Selbst über ungelegte hast du lautstark gegackert. Das Schweigen baut dir das warme Nest und verhilft dir zum nötigen Sitzfleisch. Zum Ausbrüten.

 

Spiegelverkehrt

 

Spieglein, Spieglein an der Wand… in den Handtaschen, Frisiersalons, Umkleidekabinen automobilen Sonnenblenden dieser Welt…sitzt alles, flutscht alles? Passt mein Ausschauen um Himmels Willen und Wollen zum Zeitgeist dazu? Bin ich hoffentlich nicht so ein Zeitgeisterfahrer und düse gegen den Strom und gehör nicht mehr dazu? Furchtbarer Gedanke! Husch, weg, weg! Sitzt die Frisur? Bin ich picobello geleckt und perfekt? Bin ich schön? Meine Güte, was bin ich schön! Narziss und Narziss. Goldmund verpiss dich! Spiegelkabinett der Eitelkeiten. Jeder sieht sich so, wie es ihm am besten gefällt. Spiegelillusionen. Dabei ist Spiegel ehrlich. Und brutal. Brutal ehrlich. Wenn du den Mut hast, dir lange darin in deine Augen zu schauen. Von Spiegel zu Spiegel. Weil Augen ja auch Spiegel. Deiner Seele, oder wie man dazu sagt. Spiegelmeditation. Warum nicht!? Leute sagen, heute alles Meditation. Das Lesen, Kochen, Bügeln, Unkrautzupfen…Komisch. Trotzdem stehen wir alle neben uns. Sind außer uns. Da läuft was verkehrt. Deshalb schau die Welt im Spiegel an. Spiegelverkehrt. Schau dich an. Steh einmal 10, 15 Minuten mit dir vor einem Spiegel und schau dir in die Augen. Du wirst staunen, was da abgeht! Fast unheimlich! Beachte dich wenigstens selbst einmal, wenn schon andere achtlos und anonym an dir vorübergehen oder dich nur als funktionierendes Ding anschauen oder dich als Konsumtrottel ausnutzen und missbrauchen. Der da im Spiegel wird dir Fragen stellen. Mit dir reden. Zum Teil unangenehme Tatsachen ansprechen. Dir einen Spiegel vorhalten. Da brauchst du Mut! Quasi Spiegel-Eier. Spiegel haben mich schon immer in ihren Bann gezogen. Als Kind hatte ich einen alten viereckigen Spiegel, mit dem ich oft gespielt habe. Habe ihn auch mit nach draußen genommen und mir die Welt durch diesen Spiegel angeschaut. Die Welt im Spiegel. Die war so ganz anders. Viel schöner. Reizvoller. Geheimnisvoller. Oft wäre ich gerne in diese Spiegelwelt gestiegen. Alice-Im-Wunder-Land-Sehnsucht. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Welt im Spiegel die weitaus bessere ist. Dass alles, was gut ist, gut bleibt, aber das Schlechte, die Bösartigkeiten, die Kriege, der Hunger, der Terror, die Ausbeutung der Natur, die Vergewaltigung unseres Klimas und Planeten sich spiegelverkehren. Somit geheilt und gesund werden. Dass die Spiegelmenschen wirklich menschlich sind. Voll von Liebe und Mitgefühl. Vielleicht schauen wir deshalb so gerne in den Spiegel. Nicht aus Eitelkeit, sondern weil Seele ein unbewusstes Sehnen nach dieser Spiegelwelt verspürt? Mann, wie gerne würde ich heute noch hinter meinen Spiegel steigen! Und nichts und niemanden vermissen.  

 

Henris Welt

 

Vor ein paar Wochen kam Henri. In diese Welt. Viel früher als allgemein erwartet. Henri war ungeduldig und wollte nicht länger warten. Auf das Leben da draußen. Draußen, außerhalb von Mamas Bauch. Mal nachschauen, wie es da so ausschaut. Wer aller auf ihn wartet. Wie die Typen dort so drauf sind und wie sich Auf-der-Welt-Sein anfühlt. Das Gestreichelt-Werden. Das Lieb-Haben. Und die übrigen Schnullereien. Natürlich Mama und Papa auch kurz mal abchecken. Alles paletti! Papa ist übrigens mein Bruder Markus. Martina seine Mami. Henri ist gespannt, wie der Hase so läuft. Deshalb wagt er den für alle überraschenden Kopfüber-Sprung ins nackte Leben. Henri ist ein mutiger Bursche. Der hat wahrlich Mumm in seinen XS-Pampers. Frage nicht. Seit seinem ersten Atemzug. Da kannst du dir ein Stückchen abschneiden. Henri hat keine Angst vor dem Leben. Er ist neugierig darauf und hungrig danach. Wie viele können das von sich behaupten? Tatendrang statt DATENdrang und sinnloses AppHängen. Henri ist kein Abwarter, daher sein Frühstart. Der frühe Vogel fängt den Wurm, wird er sich gedacht haben, das kleine „Würmchen“. Zeit ist kostbar. Wer weiß, was Henri noch so vor hat? Was er tun möchte? Was er erleben möchte?  Was er jetzt wohl so ausbrütet in seinem Brutkasten!? Auf Henri warten all die Wunder des Ersten- Mals: Seine erste Geburtstagstorte. Seine ersten Schritte ganz alleine. Seine ersten Jeans. Sein erstes Wort: „Auto“ -  vielleicht. Sein erster Haarschnitt. Sein erstes Fahrrad mit Stützrädern. Sein erster Lieblingssong. Sein erstes Wiener Schnitzel mit Pommes und Ketchup. Sein erster bester Freund. Seine erstes Verliebt-Sein…Kinder sind Bücher, in die man schreiben und aus denen man lesen soll, hat ein gescheiter Mensch einmal gesagt. Obwohl ich Henri noch nie persönlich begegnet bin, durfte ich schon einige Zeilen aus ihm lesen. Quasi telepathisch. Über das Neu-Gierig-Sein auf das Leben. Das habe ich schon längst vergessen. An das denken wir  „Erwachsenen“ allesamt nicht mehr, weil wir alles als normale Selbstverständlichkeiten hinnehmen. Oder als fucking Routine. Die Wunder der Ersten-Male. Wo sind sie hin? Jetzt tu ich öfters mal so, als würde ich etwas das erste Mal machen. Oder erleben oder sehen. „Stinknormales“ und „Totlangweiliges“ mit dem Zauberstab des Ersten-Mals berühren. Hokuspokus Simsalabim! Und Staunen. In der Früh aufwachen, als ob du das erste Mal aufwachen würdest. Atmen, als ob es dein erster Atemzug wäre. Gehen, als ob das dein erster Schritt wäre. Küssen, als ob es dein erster Kuss wäre…Reden, Essen, Lesen, Schreiben, Weinen, Pinkeln, Lachen, Furzen ….alles kannst du wieder zu deinem  Ersten-Mal machen. Da sag noch einmal, dass dir fad ist! Dann tu halt so, als ob dir das erste Mal fad ist.         

 

Ich, Bücherwurm

 

Hiermit oute ich mich! Ich heiße Michael Bauer und ich bin bibliophil! Und ich stehe dazu und lebe es voll aus! Ich stehe auf Bücher. Meistens sitze ich vor ihnen. Vor den echten. Die den Namen Buch noch verdienen. Die aus Papier und nicht diese  E-Books. Ieeeh -  wie das schon klingt! So künstlich. Ohne Seele und dings. Eben nicht meines. Ich mag diese vollblättrigen Schönheiten voller schöner Worte. Ich will sie berühren können, sie öffnen dürfen, über ihre Rücken streicheln und sie riechen und zwischen meinen Fingern spüren. Sie entBlättern. Je mehr, desto besser. Deshalb treibe ich mich so oft als möglich in ihren Freudenhäusern herum. Weil gottlob. Käuflich sind sie alle. Die Bücher. Buchhandlungen sind wirklich Häuser der Freude. Ich freue mich jedes Mal, wenn es wieder so weit ist und ich zum Schmökern und Kaufen wieder eines betrete. Bücher sind Freunde, Zuhörer, Lehrer, Wurmlöcher in die Vergangenheit und in die Zukunft. Bücher sind die Katzen unter den Info-Medien. Frage nicht. Allein ihre leibhaftige Anwesenheit im Raum sorgt für Behaglichkeit. Super (Lese)Stoff zum Runterkommen. Deshalb Bibliotheken auch Orte der Ruhe und Besinnung. Jedes Kloster legt größten Wert auf eine schöne und gut bestückte Bibliothek. Bibliotheken sind neben den Kirchen die  kunstvollsten Räume in allen Stiften. Mal nachschauen! Ich lese auch gerne zwischen den Zeilen. Und abseits der Zeilen. Also abseits des eigentlichen Inhalts: Erscheinungsjahr, Verlag, Erscheinungsort….Und welche Auflage es ist. Welche Auflage von mir bin ich jetzt gerade? Weil in den Büchern liest du oft: 4. überarbeite Auflage und so. Die wievielte Auflage von mir bin ich? Bücher überarbeitet man, wenn es zum jeweiligen Thema neue Erkenntnisse gibt, die rein gehören. Oder sie werden sprachlich ein wenig entstaubt, optisch modernisiert, stilistisch renoviert und so weiter. Der ursprüngliche Inhalt bleibt ja. Der ist ja nicht schlechter geworden. So stelle ich mir das auch bei uns vor. Nicht alles bei dir, bei mir, braucht man überarbeiten. Aber gewisse Dinge vielleicht schon. Vieles überarbeitet sich von selbst, ohne dass du was dafür tun musst. Nicht nur das äußerliche Erscheinungsbild überarbeitet sich selbsttätig. Wie ein Buch, bekommst auch du im Laufe der Zeit eine edle Patina. Hier und da auch ein paar Eselsohren und Fältchen. Das Haupt wird weiß und  man selbst hoffentlich einig wenig weiser. Auch willentlich kannst du deine Originalausgabe leicht überarbeiten. Logisch. Aber überarbeite dich nicht beim Überarbeiten! Schritt für Schritt. Im Grunde gibt’s eh nix zum Meckern bei dir! Da und dort ein wenig halt. So im Charakterkapitel vielleicht. Ein paar Sachen streichen. Wie Hass, Rachsucht, Neid, Ungeduld, Jähzorn, Eifersucht…Sicher fällt dir noch was ein. So kommen bis zum letzten Kapitel deines Lebens einige überarbeite Ausgaben von dir zusammen. Mein lieber Freund. Hoffentlich darf ich mich noch oft überarbeiten. In diesem Sinne: Michael Bauer, 12. oder 13. überarbeitete Ausgabe. Käuflich bin ich aber… ein wenig halt!

 
 

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